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Für Lebenswerk ausgezeichnet

06.10.2020

Das Fachmagazin »kfz-betrieb« hat Andreas Senger posthum mit dem „Executive Circle Award 2020“ für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Als der Preisträger 1984 gemeinsam mit seinem Bruder die Geschäftsführung des elterlichen Betriebs übernahm, zählte das Unternehmen lediglich zwei Standorte und mit Audi, Mercedes-Benz, Porsche und Volkswagen vier Marken. Der Umsatz der beiden Autohäuser lag bei rund 30 Millionen Euro. Verkauft wurden seinerzeit 784 Neuwagen, 819 Gebrauchtwagen, 82 neue und 180 gebrauchte Nutzfahrzeuge. Beschäftigt waren 141 Mitarbeitende.

Aktuell zählt der familiengeführte Konzern 50 Betriebe an 39 Standorten in fünf Bundesländern. Vertrieben werden die Marken Mercedes-Benz, Smart, Volkswagen, Audi, Skoda, Porsche, SEAT und DAF. Zusätzliche Serviceverträge gibt es für die Marken Iveco und Fuso. Jährlich verkauft die Autohausgruppe knapp 43.000 Neu- und Gebrauchtwagen. Das Unternehmen beschäftigt derzeit rund 2.900 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und erwirtschaftete zuletzt einen Jahresumsatz von 1,7 Milliarden Euro.

Familiärer Schicksalsschlag im Jahr 2000

Aber der Reihe nach: Nach dem Abitur studierte Andreas Senger Maschinenbau. 1979 beendete er sein Studium als Diplom-Ingenieur. Ab 1984 machte sich der Preisträger gemeinsam mit seinem Bruder und damit die zweite Generation daran, das Familienunternehmen zu einer der größten Automobilhandelsgruppen in Deutschland zu entwickeln. 1990 kam mit Seat eine neue Marke ins Portfolio, ab 1992 engagierten sich die Westdeutschen in Ostdeutschland. „Wir haben damals die ersten Erfahrungen gesammelt, wie man Standorte etablieren kann, die nicht in der eigenen Region ansässig sind“, sagte Andreas Senger einmal rückblickend.

Das neue Jahrtausend startete mit einem familiären Schicksalsschlag. Im Jahr 2000 verstarb der Bruder im Alter von gerade einmal 47 Jahren bei einem tragischen Verkehrsunfall. Von nun an galt es für Andreas Senger, das Unternehmen als alleiniger Geschäftsführer auf Kurs zu halten.

Noch im Jahr 2000 fusionierte ein Teil des Unternehmens mit einem Marktbegleiter. Bei der Fusion war es Andreas Senger wichtig, die Mehrheitsanteile zu erwerben. Seiner Ansicht nach war das die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Fusion. Schließlich müsse man sich für eine Unternehmensstrategie entscheiden, Mischformen würden nicht funktionieren.

In den Folgejahren trieb Senger die Expansion weiter voran: Unter anderem nahm er 2003 die Marke Peugeot ins Portfolio auf. Auch kaufte er weitere Pkw- und Nutzfahrzeugstandorte zu. 2007 erwarb er die Mehrheit an der DAF Berlin Nutzfahrzeuge Vertrieb und Service GmbH.

Senger entschied sich für Größe

Bereits damals sagte der Unternehmer im Gespräch mit »kfz-betrieb«, dass das Überleben im Automobilhandel von der Unternehmensgröße abhänge: „Der Markt hat eine Sättigungsgrenze erreicht. Wir müssen uns auf geringere Verkaufszahlen einstellen. Das führt dazu, dass weitere Autohäuser ausscheiden werden. Betriebe mittlerer Größe werden die meisten Probleme haben.“ Gute Überlebenschancen räumte Senger hingegen den Kleinen ein, die sich ihre Nische suchten. Und natürlich den großen Gruppen, die mit ihrer Marktmacht das automobile Handelsgeschäft zunehmend dominieren.

Andreas Senger hat sich für Größe entschieden und sein Unternehmen zu einer Autohausgruppe ausgebaut, die 2007 mit 22 Standorten und sieben Marken in fünf Bundesländern aktiv war. Damals verkaufte seine Autohausgruppe rund 12.000 Neu- und Gebrauchtwagen. Der Gesamtumsatz betrug 378 Millionen Euro, die Belegschaft zählte rund 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie 160 Auszubildende.

Bereits 2007 sagte Andreas Senger zum Geschäftsmodell zwischen Händlern und Herstellern: „Das aktuelle Geschäftsmodell ist an einen Wachstumsmarkt angelehnt – den wir nicht mehr haben. Deshalb schreibt ein Großteil der Händler im Vertrieb Verluste. Die Hersteller sind gefordert, dies strukturell zu ändern.“

In der Krise darf man keinen Fehler machen

Der diesjährige Preisträger agierte immer als Perfektionist. Seiner Meinung nach lassen sich gute Geschäfte nur mit zufriedenen Kunden und einer motivierten Belegschaft realisieren. 2009 sagte er im Gespräch mit »kfz-betrieb«: „In der Krise darf man möglichst keine Fehler machen, das kann tödlich sein.“ Mehr denn je habe es absolute Priorität, auf die Qualität jedes einzelnen Verkaufsgeschäfts zu achten. Nicht der Auftragseingang sei das Geschäft, erst die Summe der damit verbundenen Geschäftsbewegungen und daraus resultierend ein positiver Deckungsbeitrag wären ein Indiz für ein gutes Geschäft.

Man müsse sich immer wieder die Frage stellen, ob die aktuelle Entscheidung die richtige sei, oder ob sie sich nicht noch verbessern ließe. Dies gelte ganz besonders im Kundendienst. Hier müssten alle Prozesse in Richtung Kundenzufriedenheit gesteuert werden. Das gehe nur über gut geschulte, bestens informierte und damit auch hoch motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

2012 holte sich der Unternehmer im Zuge weiterer Autohaus-Übernahmen insgesamt 13 neue Standorte hinzu. 2016 katapultierte er sein Unternehmen durch die Übernahme von weiteren elf Autohäusern ins Spitzenfeld der größten Autohändler Deutschlands. 2018 teilte der Preisträger sein Unternehmen in zwei Gruppen auf.

Seitdem sind in einer Gruppe die Geschäfte mit den Marken aus dem Volkswagen-Konzern gebündelt, die zweite Gruppe ist für die Fabrikate des Daimler-Konzerns und DAF-Trucks zuständig. Beide Unternehmensteile agieren unter dem Dach einer gemeinsamen Holding, in der jeweils die strategische, operative und kaufmännische Steuerung der zugehörigen Gesellschaften stattfindet.

Mit Tochter Stefanie und Sohn Jörg rückte 2019 die dritte Generation der Unternehmerfamilie in die Geschäftsführung nach. Ihr Großvater Egon Senger eröffnete 1953 eine Daimler-Benz-Vertragswerkstatt und unterzeichnete 1958 Händlerverträge mit der Daimler-Benz AG und der Auto-Union. 1978 kam der Händlervertrag für Porsche hinzu. 1995 ist der Firmengründer, Großvater und Vater verstorben.

Auf die Frage, wie es mit ihm und der dritten Generation ab 2019 weitergehen soll, antwortete Andreas Senger: „Unser gemeinsames Ziel ist es, eine strategische Größe zu erreichen, mit der wir alle Herausforderungen der Zukunft meistern können. Dabei ist es egal, ob man Nummer drei oder sechs in einem Ranking ist.“

Im Februar 2020 gab der Preisträger sieben Millionen Euro für den Neubau eines Porsche-Zentrums frei. Weitere 15 Millionen stehen für den Neubau eines Leuchtturm-Standorts der Marke Mercedes-Benz parat. Zehn Millionen lässt sich der Unternehmer ein neues Karosserie- und Lack- sowie Logistikzentrum kosten. „Für uns sind beide Bauprojekte eine wichtige Investition in die Zukunft“, sagte Andreas Senger zum Start ins neue Jahrzehnt. Schließlich sei zukunftsorientiertes Handeln einer der Kernwerte des familiengeführten Konzerns.

Soziales Engagement in den jeweiligen Regionen vor Ort

Der Preisträger hatte aber nicht nur das eigene Geschäft im Blick. In einem Interview sagte Andreas Senger einmal: „Gerade beim sozialen Engagement geht es darum, etwas in dem Maße zurückzugeben, in dem man es selbst bekommen hat. Wir werden immer dort tätig, wo wir selbst vor Ort sind. Wir möchten in unseren Regionen einen Beitrag leisten und als Unternehmen präsent sein.“

Neben seinem breit angelegten gesellschaftlichen Engagement in den verschiedenen Regionen des Unternehmens engagierte sich der Preisträger von 2011 bis 2017 auch im Vorstand des Zentralverbands Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK), zudem war er viele Jahre im Verband der Mercedes-Benz Vertreter (VMB) aktiv.

Andreas Senger maß Erfolg im Automobilhandel nicht nur an der Zahl der verkauften Fahrzeuge. Im vergangenen Jahr präsentierte er auf dem Executive Circle seine Vorstellungen vom Service-Business der Zukunft. Während seines Vortrags auf der Steinburg in Würzburg vertrat er unter anderem folgende These: „Wenn wir alle mit derselben Professionalität unser Servicegeschäft managen würden, wie wir das im Neu- und Gebrauchtwagenverkauf tun, dann würden wir zuerst bei der Kundenzufriedenheit und anschließend beim Ertrag so viel mehr zulegen, wie wir es trotz millionenschwerer Investitionen im Vertrieb nie erreichen können.“

Covid-19: Mit 65 Jahren ging die Lebensgeschichte zu Ende

Am Osterwochenende 2020 ist Andreas Senger im Alter von 65 Jahren an den Folgen einer Infektion mit dem Coronavirus verstorben. »kfz-betrieb«-Chefredakteur Wolfgang Michel überreichte die Auszeichnung im Rahmen des Executive Circle 2020 an seine Kinder Stefanie und Jörg mit den Worten: „Mit dem Executive Circle Award 2020 würdigt die Redaktion das herausragende Lebenswerk eines großen Automobilhändlers in Deutschland. Die Entwicklung der Senger-Gruppe von 1984 bis 2020 und damit das Lebenswerk von Andreas Senger ist mehr als eindrucksvoll. Bei Andreas Senger verspürte man bei jedem Satz, mit welchem Engagement er seine Autohausgruppe weiterentwickelte und dabei an jeder noch so kleinen analogen und digitalen Stellschraube drehte. Durch seinen plötzlichen Tod haben Sie Ihren Vater und das Kfz-Gewerbe einen großen Unternehmer verloren. Andreas Senger hat den Executive Circle Award für sein Lebenswerk mehr als verdient!“

Stefanie und Jörg Senger kommentierten die Auszeichnung wie folgt: „Wir freuen uns sehr und sind gerührt über die posthume Auszeichnung für das Lebenswerk unseres Vaters. Sie wird einen besonderen Platz in unserem Unternehmen erhalten, an dem sie immer an ihn erinnern wird.“

»kfz-betrieb« vergab die Auszeichnung beim „Executive Circle“, einem Forum für die großen Autohändler Deutschlands. Der Executive Circle fand zum sechsten Mal statt. In diesem Jahr nicht wie sonst üblich auf Schloss Steinburg in Würzburg, sondern als Digital-Konferenz. Die Veranstaltung wurde live aus dem Vogel Convention Center übertragen. Zum Executive Circle, lädt die Medienmarke ausschließlich die oberste Führungsebene der großen Autohändler Deutschlands ein. Ziel dieser Veranstaltung ist es, den markenübergreifenden Austausch herzustellen und hoch qualifizierte Kompetenzen zu vernetzen. In diesem Jahr wurde der Executive Circle 2020 von der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) unterstützt.

Quelle: »kfz-betrieb«

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